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13. Jahrgang (2010) - Ausgabe 8 (August) - ISSN 1619-2389
Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
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Der Kampf um die Öffentlichkeit

Rund 47 Prozent aller volljährigen Deutschen hatten im dritten Quartal 2002 einen Zugang zum Internet (Quelle: www.fgw-online.de). Weltweit "surfen" derzeit mehr als 600 Millionen Menschen regelmäßig im Netz - 190 Millionen davon allein in Europa (Quelle: www.nua.com). Damit hat das Internet einen festen Platz in der Mediengesellschaft eingenommen und ist dabei, die Rahmenbedingungen für Journalisten, Unternehmen und Konsumenten nachhaltig zu verändern.

Welche antreibenden und störenden, sichtbaren und (noch) unsichtbaren Wirkungen vom Internet ausgehen, diskutierten die Teilnehmer des 3. Mainzer Journalisten Symposiums im Dezember 2000. Die wesentlichen Befunde haben die beiden Gastgeber, Lothar Rolke von der Fachhochschule Mainz und Volker Wolff von der Universität Mainz, sowie 15 weitere Autoren im vorliegenden Sammelband zusammengetragen.

  • Im ersten Abschnitt analysieren fünf Autoren die neue Macht der Verbraucher durch das Internet. Betriebswirtschafts-Professor Lothar Rolke von der Fachhochschule Mainz skizziert, wie durch den globalen Verbraucherprotest neue Öffentlichkeiten im Netz geschaffen werden. Internet-Unternehmer Felix Frohn-Bernau aus Berlin erläutert am Beispiel der Verbraucher-Community dooyoo, wie ein "Konsumentenkartell" im weltweiten Datennetz funktioniert. Welchen Nutzwert Portale für die Verbraucher bringen müssen, verdeutlicht Andreas Oppermann, Chefredakteur von T-Online aus Darmstadt. Die Verbraucherrisiken im Internet deckt Helga Kuhn von der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände aus Bonn auf. Abschließend gibt Akademie-Geschäftsführer Jürgen Schulz aus Berlin einen Überblick über die Nutzung des Internets durch Protestgruppen zur öffentlichen Austragung ihrer Konflikte mit den Unternehmen.
  • Das neue Weltbild der Medien ist Gegenstand des zweiten Abschnitts. Journalistik-Professor Volker Wolff von der Universität Mainz analysiert die zwiespältige Rolle der Journalisten im Internet-Zeitalter zwischen journalistischem Anspruch und Lesernutzen einerseits und kaufmännischem Provisionsinteresse andererseits. Dass das Internet gleichermaßen ein Eldorado für journalistische Recherche und unternehmerisches Issues Management ist, verdeutlicht der Beitrag von Roland Schatz, dem Chefredakteur des Medientenor aus Bonn. Hubert Primus, Chefredakteur der Zeitschriften "test" und "Finanztest" aus Berlin, erläutert, wie der Stiftung Warentest der journalistische Doppelpass von Internet und Zeitschrift gelungen ist. Was die Verlage beim Erschließen alternativer Einnahmequellen im Internet - also beim Spagat zwischen "Content und Commerce" - beachten müssen, beschreibt AP-Redakteurin Michaela Pieler aus Frankfurt am Main. Der Beitrag des Medienberaters Peter Berger aus Hamburg zeigt schließlich am Beispiel des Crossmedia-Konzepts der Financial Times Deutschland, dass sich Zeitung, Internet-Auftritt und Radio-Service nicht zwangsläufig kannibalisieren müssen.
  • Die Auswirkungen des Internets auf die Kommunikation von Unternehmen analysieren die sechs Beiträge des dritten Abschnitts. Warum das Firmenintranet zu einem umfassenden, redaktionell gestalteten Informationsmedium werden muss, erläutert Meinolf Ellers von dpa-infocom, der Multimedia-Tochter der Deutschen Presse-Agentur aus Hamburg. Marketing-Professorin Ute Diehl von der Fachhochschule Mainz macht in ihrem Beitrag deutlich, welchen Einfluss das Internet auf Markenwert, Markenstärke und Markenkommunikation hat. Einblicke in die Online-Redaktion der Allianz AG in München - von der Bilanzpressekonferenz bis zum virtuellen Pressezentrum - gewährt Gesa Walter aus München. Was passiert, wenn Unternehmen die Grundregeln der Krisenkommunikation im Internet-Zeitalter missachten, verdeutlicht Krisenforscher Frank Roselieb aus Kiel am Beispiel der Berliner Strato Medien AG. Wie man es besser macht, zeigen Siegfried Guterman und Michael Helbig von der Dresdner Bank aus Frankfurt am Main anhand ihres Ansatzes einer "doppelt integrierten Kommunikation". Schließlich beschreibt Ulrich Ott von der Allgemeinen Deutschen Direktbank aus Frankfurt am Main die Verknüpfung von Online- und Offline-Kommunikation bei der Frankfurter Bank.

Wenngleich den Herausgebern ein "Crossmedia-Konzept" zumindest im Autorenverzeichnis und in den Beiträgen - beispielsweise durch das Fehlen von E-Mail-Adressen der Autoren oder mangelnde Hinweise auf weiterführende Internet-Seiten - nicht gelungen ist, bereichert der Sammelband zweifellos die Literatur zur Krisenkommunikation und zum Issues Management im Internet-Zeitalter. Die durchgängig praxisorientierten Beiträge und das fachlich breite Spektrum der Autoren regen zur Lektüre an und geben manchen wertvollen Impuls für die betriebliche Kommunikationsarbeit.

Lothar Rolke / Volker Wolff (Hrsg.),
Der Kampf um die Öffentlichkeit -
Wie das Internet die Macht zwischen Medien
Unternehmen und Verbrauchern neu verteilt,
Luchterhand-Verlag, Neuwied, Kriftel, 2002,
293 Seiten, EUR 29,00,
ISBN 3-472-05042-X

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Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
5. Jahrgang (2002), Ausgabe 12 (Dezember)


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